Elisabeth Menslage  Heilpraktikerin für Psychotherapie
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Rheumatoide Arthritis

Kearl (Name geändert) kam in meine Gruppentherapie als unter starken Schmerzen in seiner Schulter leidender 23jähriger Mann. Er war aufgrund von enttäuschten Hoffnungen in ein seelisches Tief geraten, rauchte und aß zu viel, saß stundenlang vor dem Computer und wartete darauf, dass seine Freunde ihn anriefen, um mit ihm um die Häuser zu ziehen.

Im folgenden möchte ich Sie zu einer ausführlichen Beschreibung der coreenergetischen Therapie einladen.

Kearl war abhängig von seiner Peergroup und auch in der Therapiegruppe schaute er bei jeder Äußerung und Impulshandlung zunächst nach links und rechts, um zu überprüfen, ob sein Impuls etwas zu sagen oder seine Absicht etwas zu tun gruppenkonform war. Er lächelte ständig und war doch in dem Augenblick authentischer, wenn er über seine Schmerzen sprach. Er hatte wohl ständig Schmerzen, die er aber nicht lokalisieren könne, er war hochgewachsen und schien alles zu wissen und ich mutete ihm am Anfang gruppentherapeutische Übungen zu, die er dann abbrach, weil er zu starke Schmerzen hatte oder er klagte sofort über ein arthritisches Ziehen in seinem Körper, das ihm nachts noch extremere Pein verursachte.

Erst die Behandlung in der Einzeltherapie brachte Erfolg. Wir dehnten zunächst seine verkürzten Muskeln im Schulterbereich und ich forderte ihn auf, Laute dazu zu finden, die diesem Schmerz entsprachen. Er lachte über diese Kinkerlitzchen und eine Erklärung über Nervenbahnen und neurologische Strukturen in seinem Körper brachten nach und nach Vertrauen, sodass er sich auf den therapeutischen Prozess einlassen konnte. Seine Laute waren sehr zaghaft und kläglich, anklagend und sehnsuchtsvoll. Er brachte sie aus seinem vorderen Rachen, denn er konnte nicht tief atmen. Wenn er ausdrucksvoll atmete und Laute hervorbrachte, kam immer eine kleine Menge Schleim mit in den Mund, wofür er sich schämte und schlucken wollte.

Kearl erkannte, dass sein Bedürfnis, andere zufriedenzustellen zu einer Dauerkontraktion seiner Muskeln geführt hatte. In den Behandlungen wurde immer klarer, dass Kearl seine aggressiven Gefühle von Wut und Aufgebrachtsein verbal zum Ausdruck bringen wollte, aber nicht durch Handlungen untermauern, die weichen Gefühle von Mitgefühl und Enttäuschtsein jedoch leugnete, aber durch Jammern und Klagen an den Tag brachte. Bei Kearl war wenig Aggressivität in seiner Stimme und in seiner Körpersprache, er sprach zwar viel über seinen Unmut, aber er konnte ihn körperlich nicht zum Ausdruck bringen, das verursachte ihm große Schmerzen.

Wir gingen nach der 4 Therapiesitzung zum Ausdruck der aggressiven Gefühlsäußerungen über. Kearl sollte versuchen, seine Gefühle anders als verbal zu zeigen, wobei auch seine Widerstände zum Thema wurden, denn die blockierten ihn im alltäglichen Leben. Er hatte sich durch die langjährig andauernde Trennung seiner Eltern nie getraut, seinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen. So hatte Kearl seit seinem 7ten Lebensjahr seinen oralen Charakter geschult, seine Gefühle herunterzuschlucken und durch Ausweichmanöver, wie Computerspielen und Essen zu kanalisieren-was letzendlich zur Sucht führte. Ein Kanalisationsprozess ist eines der klassischen Abwehrmechanismen der Psychoanalyse, wie Verdrängung, Verleugnung, Projektion, Konflikt-Sublimierung oder Ungeschehenmachen.

Durch diese Abwehrmechanismen erleben wir eine Grausamkeit unseren eigentlichen Lebenszielen gegenüber, wir flüchten vor jedweder Form der Wahrheit, indem wir nach außen ein Image aufbauen, das dann doch durch alltägliche Vorkommnisse bedroht und gebrochen wird. Kevin hatte sein Image einer verantwortungsvollen, intelligenten und zuverlässigen Persönlichkeit nicht aufrechterhalten können und flüchtete in den Schmerz. Durch Flucht und Konfliktvermeidung empfand er wiederum Scham und weiteres Fluchtverhalten, wodurch eine Grausamkeit gegenüber unseren wahren Gefühlen und Lebenszielen entsteht. Einfach ausgedrückt lässt sich diese Grausamkeit festmachen an Gedanken und Äußerungen wie „ich sollte eigentlich Sport machen,..... ich sollte eigentlich abnehmen,...... ich sollte eigentlich den Job wechseln und kündigen,..... ich kann meiner Frau und meinen Kindern nicht mein wahres Ich zeigen,...... ich weiss nicht wie ich meine finanzielle Misere in den Griff bekommen soll“.

Kearl kam zu mir aus der seelischen Not heraus, die seine mangelhaften Einkünfte hervorgebracht hatten. Bei manchen Patienten drückt sich der seelische Notstand weitestgehend im materiellen Notstand aus und den Äußerungen parallel, ich müßte, ich sollte. Dieser innere Richter steht uns bei unseren glücklichmachenden Lebenszielen im Wege, haben wir doch dabei in erster Linie das Ziel, nach außen einen materiellen Standard zu halten und unser Image aufrechtzuerhalten. Kearl begriff, dass seine Haltung, sich von dem Willen und Wirken anderer Menschen abhängig zu machen, seine Situation nicht verbesserte und er begann, eigene zunächst kleine Körperübungen zu tätigen und konnte danach Ziele formulieren; diese Ziele waren: ein geregelter Tagesablauf, Struktur in der Bewältigung des Tagesgeschäftes, sich Belohnungen dafür ausdenken, Aufbauarbeit leisten, und vor allem körperliche Betätigung.

Mit Körperarbeit und Atemübungen konnte Kearl dies erreichen, denn durch sein Erleben von Schmerz hatte er den Bodenkontakt und den Blick für die Realität. Nach dem Durcharbeiten von Schmerzen war er buchstäblich am Boden der Tatsachen angelangt, sodass er sich für die nächsten Tage jeweils ein Programm machen konnte, wie er sein Leben gestalten wollte. Er fing an, Kraft für seine eigene Ziele zu entwickeln, nachdem ihm der Zusammenhang zwischen seinem Schmerz und seiner Abhängigkeit klar wurde. Wenn der Schmerz in einer jeweiligen Therapiesitzung durchgearbeitet ist, kommt die Gefühlsarbeit und damit die Hoffnung auf eine erfolgversprechende Zukunft. Erfolg ist hier nicht im Sinne von Niederkämpfen von weichen Gefühlen gemeint, sondern im Sinne vom Bewusstsein über die eigenen Mechanismen der Niederlage.

Kearl erkannte durch das Spür-Bewusstsein in einer coreenergetischen Übung: Das Niederkämpfen von weichen Gefühlen geschieht eher mit einer feindseligen Haltung sich selbst gegenüber und schafft die Atmosphäre von Gewinnen und Niederlage in sich selbst. Wenn es mir nicht gelingt, einem Gefühl oder einem Gedanken Einhalt zu gebieten, werden ich im Inneren zum Versager mir selbst gegenüber und will beim nächsten Mal noch einen schnelleren Spurt hinlegen und einen höheren Sieg über mich selbst davontragen. Er folgerte für sich Ziele die in eine andere Richtung gingen, familiäres Zusammensein, Wohlbefinden in sicheren Verhältnissen und Partnerschaft.

Genügsamkeit

Genügsamkeit und Geduld sind Eigenschaften, die sich bei Menschen mit Rheumatoider Arthritis oft finden lassen. Manchen fällt es schwer, sich selbst und ihren Körper wahrzunehmen. Viele Betroffene sind sehr zaghaft oder gehemmt. Sobald sie Aggressionen verspüren, meldet sich ihr Gewissen, das ihnen feindselige Gefühle verbietet. Die Betroffenen kämpfen mit sich. Einige finden die Lösung in ihrer Gartenarbeit oder im Sport.

Innere Einstellung beeinflusst den Verlauf

Die innere Einstellung zur Krankheit und der Umgang (Coping) mit ihr beeinflusst den Verlauf. Es gibt Patienten, bei denen die Polyarthritis relativ schnell voranschreitet. Sie haben starke Schmerzen und oft auch einen starken Leidensdruck. Andere Patienten beschreiben eher, dass die Krankheit schleichend verläuft und auch nur langsam angefangen hat. Sie leiden weniger an psychischer Anspannung.

Passives Verhalten macht alles schlimmer

Patienten, die der Krankheit teilnahmslos gegenüber stehen, leiden oft stärker unter der Rheumatoide Arthritis als aktivere Patienten. Sobald die Betroffenen das Gefühl haben, dass sie selbst etwas gegen ihr Leiden unternehmen können, geht es ihnen besser. Man sagt, dass die unterschiedlichen Bewältigungsstrategien (Coping-Stile) einen starken Einfluss darauf haben, wie man selbst die Erkrankung erlebt. Forscher konnten sogar zeigen, dass psychische Faktoren wie Ängste oder Depressionen stärker mit der Funktion der Gelenke zusammenhängen als mit dem sichtbaren Schaden im Röntgenbild oder mit den Entzündungswerten im Blut. Wer also an Ängsten leidet, der hat oft stärkere Gelenkbeschwerden als jemand, der frei ist von Ängsten – selbst, wenn das Röntgenbild bei der zweiten Person den größeren Gelenkschaden anzeigt.

Besserung in Sicht

Wer zusätzlich zur Behandlung bei seinem Rheumatologen noch etwas für seine Psyche tun möchte, der kann mit Coreenergetik erleben, dass er besser mit der Rheumatoide Arthritis zurecht kommt. Wer etwas über Strategien zur Schmerzbewältigung lernt und seine Aktivität fördert, der ist dem körperlichen Geschehen weniger hilflos ausgeliefert. Viele Patienten lernen auch, sich neu auszudrücken und mit psychischen Anspannungen anders umzugehen. So werden Gelenkschmerzen weniger intensiv erlebt. Aber auch objektive Werte wie die Blutdrucksenkungsgeschwindigkeit, der Rheumafaktor im Blut und die Griffstärke können sich unter coreenergetischer Unterstützung verbessern.


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© by Elisabeth Menslage