Elisabeth Menslage  Heilpraktikerin für Psychotherapie
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Magenschmerzen

Gisela (Name geändert), eine 55jährige Fachangestellte, litt seit Jahren unter immer wiederkehrenden Beschwerden im linken Oberbauch. Sie setzen plötzlich ein, dauern mehrere Tage lang an und sind mit Übelkeit, Völlegefühl, Sodbrennen und Schmerzen verbunden.

Gisela hat im Laufe der Jahre selbst bemerkt, dass trotz ihrer Vorsorge – sie meidet etwa das Essen in der Kantine – die Beschwerden phasenweise ärger werden, ohne dass ihr ein plausibler Grund dafür bekannt wäre. In den letzten vier Monaten war sie nicht nur mehrfach beim Hausarzt, sondern auch bei zwei „Magen-Spezialisten“. Es wurden aber keine organischen Ursachen gefunden.

Mangels Alternativen griff sie den Ratschlag auf, zu einer psychologischen Heilpraktikerin zu gehen. Bereits im ersten Gespräch mit mir wird deutlich, dass ihr die Situation am Arbeitsplatz zusetzt: schlechtes Betriebsklima, große Fluktuation, zunehmendes Mobbing unter den Mitarbeitern. Gisela ist es gewohnt, trotz allem die bestmögliche Leistung zu erbringen – immer stärker macht sich aber ein Gefühl von Ohnmacht und Hilflosigkeit breit, dazu verspürt sie oft einen riesigen Heißhunger, den sie dann herunterschluckt und auf die Abendmahlzeiten mit ihrem Partner verlegt.

Zu Beginn der Therapie ergeben bei Gisela eine intensive, entspannend wirkende Zwerchfellatmung („Bauchatmung“) positive Empfindungen, weil durch die Auf- und Ab-Bewegungen des Zwerchfells eine „innere Bauchmassage“ erfolgt. In den folgenden Sitzungen wird deutlich, dass Gisela alles schluckt, was ihr vorgesetzt wird, obwohl sie oft daran denkt, alles, incl. ihre Arbeit aufzugeben oder auch mal ihrem Partner den Teller um die Ohren zu werfen. Da ich dieses Thema weiterverfolge und in Körperübungen mit Gisela bessere Körperwahrnehmungen trainiere, traut sie sich, ihre Biographie aufzuarbeiten: Kein einziges Mal in ihrem Leben war sie ihren eigenen Wünschen gefolgt und ass auch nach Feierabend, was ihr Partner wünschte. Natürlich war es kein Wunder, dass sie immer eine graue Maus blieb, ob im privaten oder beruflichen Bereich.

Die bessere Wahrnehmung der emotionalen Befindlichkeit, das Verständnis für die Zusammenhänge zwischen den Symptomen und verschiedenen psychosozialen Faktoren, sowie der adäquate Ausdruck von Gefühlen wie Angst, Ärger, Wut oder Hilflosigkeit verhalfen Gisela zu einem beschwerdefreien Leben, da sie lernte, ihre Mahlzeiten zu verändern und auch ihrem Partner häufiger die Meinung zu sagen.

Die Grundlage für chronische Fehlhaltungen ist bei mangelnder Meinungsäußerung gegeben und kann später mit Krankheit und Schmerzen einher gehen.

Psychosomatische Heilbehandlung erfolgt in Schüben, so wie sich die Krankheit auch in Schüben entwickelt hat. Praktisch bedeutet dies für unsere Arbeit, dass Pausen von 2-7 Monaten in der Heilbehandlung erwünscht sind.


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© by Elisabeth Menslage